Dekontamination von Textilreinigungsmaschinen

Vorderansicht: Offener Container mit zu reinigender Textilreinigungs- maschine
Rückansicht: Container und Aktivkohlefilter

„Wir leben alle nur einmal auf diesem Planeten. Es darf nicht sein, dass keiner darauf schaut, wie unvernünftig teilweise mit Lösungsmittel umgegangen wird!“
- Frank Ziermann

Seit über 30 Jahren ist die Firma Ziermann in Südwestdeutschland, Luxemburg sowie seit kurzem in der deutschsprachigen Schweiz im Vertrieb von neuen oder gebrauchten Textilreinigungsmaschinen tätig.
Diese Textilreinigungsmaschinen enthalten je nach Größe bis zu 1.000 L Lösemittel, vorwiegend Tetrachlorethen (früher als Perchlorethylen oder kurz als "Per" bezeichnet). Werden diese Maschinen still gelegt verbleiben nach dem Abpumpen des Lösungsmittels noch bis zu 50 L Lösungsmittel in den Rohrbogen, Ventilen, Filtern usw. Dieser Rest an Lösungsmitteln, jährlich vermutlich einige tausend Liter, verflüchtigt sich bei der Verschrottung bisher unbemerkt, wodurch Boden und Luft in unbekanntem Ausmaß kontaminiert werden. 

Die Firma Ziermann hat eine Anlage entwickelt, um diese Lösungsmittelreste zu entfernen.
Mit Hilfe des neuen Verfahrens werden die Rückstände aus den gebrauchten Maschinen herausgedampft. Dabei ist zu beachten, dass laut Bundes-Immisionschutzgesetze (§ 13, Absatz 2), Rückstände, die leichtflüchtige halogenierte organische Verbindungen enthalten, den Anlagen nur in einer geschlossenen Vorrichtung entnommen werden dürfen. Diese Vorschrift, insbesondere Absatz 2, wird - soweit sie die Dekontamination gebrauchter, kompletter Reinigungsmaschinen betrifft - erstmals mit der neu entwickelten Anlage möglich! Das heißt es wurde ein neuer Stand der Technik geschaffen. Daher ist die Firma Ziermann auch der einzige Händler weltweit, bei dem alle Gebraucht-Maschinen automatisch lösungsmittelfrei weiterverkauft werden. 

Die Reinigungsanlage besteht aus einem Container, dessen Boden und unterer Bereich bis in eine Höhe von 2 m gasdicht zu einer Wanne verschweißt wurden.
Die abgeführte Luft wird mit Hilfe von zwei Aktivkohlefilter, mit jeweils 600 kg Aktivkohle gereinigt.

Das Prinzip der Dekontaminationsanlage funktioniert über Verdampfung.
Dazu wird die Altmaschine in den Container gebracht. Alle Tanks, der Wasserabscheider und die Destillierblase werden geöffnet. Sämtliche Schieber werden mit den zangenartigen Spezialklemmen geöffnet und in diesem Zustand arretiert. Insbesondere wird Warmluft über flexible Schläuche an die kritischen Stellen, wie an den demontierten Schaugläsern, in die Tankgruppe und in die Destillierwanne eingeblasen und über die Boden- und Deckenabsaugung abgesaugt. Nachdem diese Arbeiten erledigt sind, wird der Container verlassen und gasdicht verschlossen. Zeitgleich wird mit der Luftabsaugung begonnen, die über die Aktivkohlefilter geleitet wird. Die Summe der Querschnitte aller zuführenden Leitungen ist kleiner als die Summe aller abführenden Leitungen, so dass im Container immer ein leichter Unterdruck herrscht.

Nun werden die Lösungsmittelrückstände mit heißem Dampf langsam aus den Gebrauchtmaschinen gelöst und über Filter abgefangen.
Damit die zu reinigenden Maschine oder die Anlage selbst keinen Schaden nimmt, ist die Temperatur für die Erhitzung auf 60 °C begrenzt. Die in der ersten Phase der Erwärmung austretende Luft ist zunehmend mit PER belastet. Sie wird in den Luftkühler geleitet, wo große PER-Anteile kondensieren. Dieses LM-haltige Kondensat wird dann über den Wasserabscheider in den Lösemitteltank geleitet. Gegen Ende der ersten Dekontaminationphase geht der LM-Gehalt der abgesaugten Luft zurück. Registriert der Messcomputer das Unterschreiten einer einstellbaren Konzentration, so wird die Luftführung umgeschaltet und über die Aktivkohlefilter geleitet, wo das herausgelöste PER wieder gebunden wird. Die Anlage läuft mit zwei Aktivkohlefilter, welche im Gegentakt arbeiten. Während ein Filter also Lösemittel absorbiert, wird der andere Filter mittels Wasserdampf regeneriert und das Lösemittel zurück gewonnen. Die gesättigte Kohle wird dabei ausgekocht. Durch eine Desorption werden so Kohle und Lösungsmittel getrennt. Beide sind danach wieder komplett einsetzbar. Das Wasser, mit dem die Kohle gereinigt wurde, wird mit einer Kontaktwasseranlage wieder aufbereitet. Die Behandlung jeder Altmaschine endet, wenn die PER-Konzentration im Container unter die maximale Arbeitsplatzkonzentration (MAK, Luftgrenzwert am Arbeitsplatz TRGS 900 = 345 mg/m³ bzw. 50 ml/m³) bei einer Lufttemperatur von 20 °C abgesunken ist. Dann gibt der Messcomputer die Öffnungstüre frei. Die Altmaschine kann gefahrlos entnommen werden.

Der Umweltschutz ist das oberste Ziel von Frank Ziermann.
Er möchte mit seiner Anlage ein Vorbild sein und hat die von ihm entworfene Technik deshalb auch absichtlich nicht zum Patent angemeldet!

Fassungsvermögen
Maschinen mit bis zu 5 Tonnen

Betriebstemperatur
60 °C

Container Abmessungen
5.000 x 3.200 x 3.200 mm (L x B x H)

Arbeitsleistung
4 Reinigungsmaschinen je Arbeitstag bei 2 h pro zu reinigender Maschine

Bauteile
Container mit Wanne, 2 Aktivkohlefilter mit jeweils 600 kg Aktivkohle, dampfbeheizter Lufterhitzer, Kühlregister, Wasserabscheider, Lösemitteltank, Steuerung (Messcomputer, 2* SPS 300) 

Besonderheit
Weltweit erstmalige Umsetzung des Bundes-Immisionschutzgesetzes (§ 13, Absatz 2)